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Enerige & Management > Veranstaltung - „Wenn wir wollen, bekommen wir den Umstieg in 20 Jahren hin“
Die DGMK hielt ihre Frühjahrstagung 2026 in Münster ab. Quelle: Volker Stephan
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„Wenn wir wollen, bekommen wir den Umstieg in 20 Jahren hin“
Manchmal hilft ein Blick zurück, um positiv in die Zukunft zu schauen. Die Erdgas Münster GmbH glaubt an den Umstieg auf Wasserstoff, CO2-Speicherung und Geothermie binnen 20 Jahren.
 
Stephan Dietzmann ist kein Mann für Trübsal. Der Geschäftsführer der Erdgas Münster GmbH glaubt an den Fortschritt und Hochlauf diverser Technologien, die aktuell aus unterschiedlichen Gründen noch einen Stotterstart hinlegen. „Wir haben vor 60 Jahren aus dem Nichts die Erdgasversorgung in Deutschland aufgebaut“, so Dietzmann, „wenn wir wollen, bekommen wir in den kommenden 20 Jahren auch den Umstieg auf Wasserstoff, CCS und erneuerbare Energien wie Geothermie hin.“

Der Erdgas-Manager teilte seine Gedanken über die bis 2045 zu erreichenden Klimaziele mit mehr als 500 Menschen auf der Frühjahrstagung der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für nachhaltige Energieträger, Mobilität und Kohlenstoffkreisläufe (DGMK) und ihrer Partnerorganisation Österreichische Gesellschaft für Energiewissenschaften (ÖGEW) am 6. Mai in Münster. Dort veranstaltete der DGMK-Fachbereich Geo-Energiesysteme und Untertagetechnologien das zweitägige Zusammentreffen.

Seinen optimistischen Blick begründete Dietzmann zum Beispiel damit, dass 60 Prozent der Leitungen für das künftige Wasserstoff-Kernnetz bereits gebaut seien. Nicht alles neu errichten zu müssen, sei ein großer Vorteil. Weitere Leitungen zu bauen und die alten Gasröhren H2-tauglich zu machen, sei keine unmögliche Aufgabe.

Wichtiger Dienstleister mit historischen Wurzeln 

Dietzmanns Arbeitgeber ist historisch der erste und heute der wichtigste Dienstleister für die in Deutschland Erdgas fördernden und produzierenden Unternehmen. Etwa die Hälfte des im Inland produzierten Erdgases vermarktet das Unternehmen. Erdgas Münster gehört fast folgerichtig den fünf großen Gasproduzenten BEB, Neptune Energy, Exxon Mobil, Vermilion und Harbour Energy (zuvor: Wintershall Dea).

Erdgas Münster zeichnete in den Anfängen neben der Abnahme des Erdgases an den Bohrlöchern und dessen Aufbereitung auch für den Transport des Gases verantwortlich. Davon musste das Unternehmen sich nach Maßgabe des Energiewirtschaftsgesetzes trennen, diese Aufgabe übertrug es auf die Tochtergesellschaft Nowega. Damit verkleinerte sich das Leitungsnetz der Erdgas Münster von 2.200 Kilometern auf heute etwa 750 Kilometer.

Zum bestehenden Leitungsnetz der Nowega zählen etwa 400 Kilometer des kommenden H2-Kernnetzes, das sich in Deutschland auf rund 9.000 Kilometern ausbreiten soll. Die Nowega habe nach aktuellen Planungen 28,5 Kilometer neu zu bauen, so Dietzmann. Schließlich seien die Leitungen perspektivisch auf den Transport von H2 vorzubereiten.

Kein Platzmangel für CCS

Auf das Abscheiden und Speichern von Kohlendioxid (CCS) blickt Stephan Dietzmann ebenfalls gespannt. Die ersten Ziele von EU und Deutschland jedenfalls seien mit den vorhandenen Speicherkapazitäten zu erreichen, sagte er. Die EU wolle bis 2030 50 Millionen Tonnen CO2 einlagern, die europäischen Lagerstätten könnten 50 bis 500 Milliarden Tonnen CO2 fassen. „Platz ist da“, so Dietzmann.

Das gelte auch für Deutschland. Hierzulande könnten bald ausgeförderte Erdgasfelder 2 bis 3 Milliarden Tonnen CO2 aufnehmen, bei jährlich etwa 40 bis 50 Millionen Tonnen CO2, die in den Prozessen der Industrie auch künftig nicht zu vermeiden seien. „Auch das passt gar nicht schlecht“, so Dietzmann. Dafür sei nun eine funktionierende und sich rechnende Wertschöpfungskette aufzubauen.

Der Blick in die jüngere Vergangenheit stimmte ihn aber nicht nur optimistisch. „Es tut schon weh“, sagte Stephan Dietzmann mit Verweis auf die Praxis in Deutschland, die Förderung von Frackinggas aus dem Erdreich seit 2011 nicht mehr zu genehmigen. Bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Gas aus dem Schiefergestein zu gewinnen „wäre ein Beitrag zur Versorgungssicherheit“, zumal die Menge des in Deutschland herkömmlich geförderten Gases sukzessive zurückgehe.
 
Stephan Dietzmann glaubt an den Durchbruch für diverse Klimatechnologien bis 2045
Quelle: Volker Stephan
 

Volker Stephan
© 2026 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 07.05.2026, 16:06 Uhr

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